Rehkitzrettung mit einer Drohne
Die Drohne ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet, die den warmen Körper eines Tieres in kühlerer Umgebung farblich unterschiedlich darstellt. Damit können wir auch Tiere in Wiesen mit sehr hohem Gras beim Überfliegen erkennen. Bei einer Suche "zu Fuß" durch hohes Gras sind es eher Glückstreffer, wenn man ein Kitz findet. Man kann einen halben Meter daneben her laufen und sieht es nicht.
Die Felder, die wir absuchen, werden in eine spezielle Software eingetragen, die anhand der angegebenen Flughöhe und der technischen Eigenschaften der Kamera die Bahnen berechnet, die die Drohne fliegen muss, um das Feld abzudecken. Wenn die Drohne gestartet ist, fliegt sie automatisch diesen vorprogrammierten Kurs.
Das Drohnen-Team steht meistens am Rand des Feldes, um einen ebenen, freien Platz als Startfeld für die Drohne zu haben. Das Drohnen-Team besteht aus dem Drohnenpiloten und einer zweiten Person (Spotter), die das Kamerabild, das von der Drohne auf einen Monitor übertragen wird, beobachtet.
2 bis 3 Läufer-Teams, bestehend aus jeweils 2 Personen, verteilen sich an den Rändern um das Feld. Sie nehmen Kisten mit, in denen gefundene Kitze gesichert und am Rand des Feldes im Schatten unter Bäumen oder Büschen abgestellt werden können, bis das Feld gemäht worden ist. Alle Teams sind mit Funkgeräten ausgestattet.
Auf den Bildern kann man sehen, wie hoch das Gras teilweise auf den Wiesen steht. Bei einer Suche “zu Fuß” ohne Drohnenbild würde man nur mit viel Glück ein Kitz entdecken.
Das Bild der Wärmebildkamera wird vom Spotter auf dem Monitor konzentriert beobachtet. Ein warmer Körper erscheint meistens weiss auf dem graumarmorierten Untergrund, bei größeren Tieren oder geringerem Abstand der Drohne zum Boden auch rot.
Sobald eine Stelle im Kamerabild erscheint, die ein junges Tier sein könnte, wird die Drohne von uns gestoppt, zum Verdachtspunkt navigiert und abgesenkt, um die Stelle zunächst aus der Luft näher zu untersuchen. Es kann sich außer einem Tier auch um einen Erdbrocken handeln, der wärmer als das umgebende Gras ist, oder ein großes Pflanzenblatt, das bereits von der Sonne erwärmt wurde. Färbt sich ein weisser Fleck beim Näherkommen rot, ist es wahrscheinlich ein Tier. Allerdings können auch frisch verlassene Liegeflächen von Rehen noch so viel Wärme ausstrahlen, dass sie rot erscheinen.
Erkennen wir schon über das Drohnenbild, dass es sich um einen Hasen handelt (erwachsene Hasen haben etwa die gleiche Größe wie ein Kitz), geben wir über Funk "Entwarnung" an die Läufer-Teams, da ein Hase so schnell flüchtet, dass wir ihn gar nicht einfangen können. Erkennen wir ein Kitz oder können es nicht eindeutig identifizieren, wird das Läufer-Team, das der Stelle am nächsten steht, über Funk dorthin geleitet. Die Drohne bleibt über der Fundstelle stehen, so dass der Spotter sehen kann, wenn die Läufer sich dem Tier nähern. Da die Läufer im hohen Gras nicht sehen können, wo genau das Tier liegt, muss der Spotter sie auf den letzten Metern punktgenau dorthin lotsen.
Sobald der Spotter auf dem Monitor sieht, dass das Tier gesichert wurde, wird das unterbrochene Flugprogramm fortgesetzt, die Drohne kehrt zur Stelle des Abbruchs zurück und die automatische Flugroute wird wieder aufgenommen.
Die Bildpaare zeigen Momentaufnahmen von unseren Rettungseinsätzen. Die Gegenüberstellung der Bilder der normalen und der Wärmebildkamera der Drohne verdeutlicht, wie hilfreich die Bilder der Drohne zum Auffinden und Sichern der Tiere sind.
Videos einer Rehkitzsicherung
Noch eindrucksvoller ist der Vorteil der Wärmebildkamera in diesen beiden Videos zu sehen. Sie zeigen denselben Drohnenflug aus Sicht der normalen Kamera und der Wärmebildkamera mit typischen Situationen, Sichtung einer erwachsenen Ricke, Prüfen von Verdachtsstellen und Sicherung eines Kitzes. Beim Überflug ist auch zu sehen, dass die Stelle mit dem Hasen und die mit dem Kitz im Wärmebild zunächst gleich aussehen und erst bei Annäherung Unterschiede erkennbar werden.
Video mit normaler Drohnenkamera