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Hineingewachsen – was mir die Rehkitzrettung gegeben hat

Im Frühjahr 2023 fand ich einen Zettel in meinem Briefkasten. Darauf wurde um Helferinnen und Helfer gebeten, die bei der Rehkitzrettung unterstützen, indem sie Wiesen und Felder vor der Mahd nach Kitzen absuchen. Schon beim Lesen war mir klar, dass ich mitmachen möchte.

Die Natur hat mich schon immer fasziniert, und die Möglichkeit, Tieren so nah zu sein, empfand ich als etwas Besonderes. Normalerweise ist es – aus gutem Grund – nicht erlaubt oder schlicht nicht möglich, Wildtieren nahe zu kommen. Die Rehkitzrettung bot genau diesen seltenen, respektvollen Zugang zur Natur und zu einem sehr konkreten Schutz von Leben.
Gleichzeitig befand ich mich in einer Lebensphase, die mir Raum für Engagement gab. Ich war mit meinem zweiten Kind zu Hause und spürte trotz dieser innigen Zeit auch eine gewisse Einsamkeit. Die Rehkitzrettung erschien mir daher nicht nur als sinnvolle Aufgabe, sondern auch als Chance, Menschen kennenzulernen und Teil einer Gemeinschaft zu werden. Vor allem aber wollte ich mich engagieren – für das gute Gefühl, aktiv zu etwas Sinnvollem beizutragen.

Ich meldete mich unter der angegebenen Nummer, wurde freundlich aufgenommen und einer WhatsApp Gruppe hinzugefügt. Zunächst blieb es ruhig. Erst am Vorabend eines sehr heißen Tages kam die Nachricht, dass am nächsten Morgen noch Unterstützung gebraucht werde. Am Treffpunkt traf ich mit dem Kind in der Rückentrage auf eine Gruppe engagierter Menschen. Gemeinsam liefen wir etwa zwei Stunden in einer Reihe durch fast mannshohes Gras, unter der prallen Sonne. Die Konzentration war hoch, gleichzeitig war Raum für Gespräche. Ich fühlte mich willkommen. Mein Kind machte wunderbar mit, und als es am Ende unruhig wurde, war unser Einsatz just abgeschlossen. Schon auf dem Heimweg wusste ich: Ich möchte wieder dabei sein.

Im ersten Jahr blieb es bei diesem einen Einsatz. Doch zum Helferfest im Spätsommer wurde ich eingeladen, und ging mit etwas Unsicherheit dorthin, schließlich kannte ich außer den wenigen Menschen aus dem Einsatz kaum jemanden. Doch diese Sorge verflog schnell: Alle begegneten mir mit großer Warmherzigkeit, ich wurde offen aufgenommen, und es tat unheimlich gut, neue Menschen kennenzulernen und Teil dieser Gemeinschaft zu sein.

Mit der Zeit wurde mir klar, dass dieser erste Einsatz mehr angestoßen hatte, als ich zunächst erwartet hatte. Schon vor der Rehkitzrettung lebte ich vegan. Doch erst durch dieses Engagement hatte ich das Gefühl, wirklich etwas Handfestes für das Tierwohl zu tun. Nicht nur zu verzichten, sondern aktiv dazu beizutragen, ein Tier vor dem Tod zu bewahren, machte für mich einen entscheidenden Unterschied. Auch wenn ich bislang noch kein Kitz selbst bergen konnte, motiviert mich gerade der Wunsch danach, weiterzumachen.
Ebenso prägend war der soziale Impact. Ich lernte Menschen kennen, denen ich sonst vermutlich nie begegnet wäre. Ich wurde Teil einer Gruppe, die auch über die Arbeit im Feld hinaus Bestand hat. Besonders der Austausch mit einem Jäger aus der Gruppe erweiterte meinen Blick auf Natur und Zusammenhänge. Daraus entstand der Wunsch, Tiere und ökologische Prozesse fundierter zu verstehen. 2025 machte ich meinen Jagdschein – nicht aus Jagdinteresse im klassischen Sinn, sondern aus dem Wunsch nach Verantwortung und Wissen. Dadurch wuchs mein Netzwerk weiter, und mir wurde deutlich, wie eng Naturschutz, Landwirtschaft und Gemeinschaft miteinander verbunden sind.
Auch mein Mann ließ sich für das Engagement begeistern. Seine technische Affinität führte dazu, dass er den Drohnenpilotenschein machte. Heute arbeiten wir gemeinsam im Einsatz sowie in Planung und Organisation des Vereins mit. Dabei entwickeln wir Fähigkeiten, die weit über die Rehkitzrettung hinaus wirken – in anderen Ehrenämtern ebenso wie im beruflichen Alltag.

Persönlich hat mich dieses Ehrenamt gestärkt. Ich traue mir mehr zu, gehe Probleme offener an und habe gelernt, Verantwortung zu teilen, Hilfe anzunehmen und Teil eines Teams zu sein. Frühmorgens auf dem Feld zu stehen, mehrere Tage hintereinander, müde und trotzdem wach – das hat mir gezeigt, wie belastbar ich bin. Besonders wertvoll ist für mich die Zusammenarbeit in altersgemischten Gruppen, in denen unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und sich ergänzen.

Ich bin in dieses Ehrenamt hineingerutscht. Es war eine Reihe von Zufällen: ein Zettel im Briefkasten, ein freier Vormittag, ein Kind, das mitmachte, und Menschen, die mich willkommen hießen. Damals habe ich nicht geahnt, wie wertvoll dieses Engagement für mich werden würde. Vor drei Jahren wäre ich nicht bereit gewesen, mich so einzubringen wie heute – und genau das musste ich auch nicht sein.

Für mich zeigt die Rehkitzrettung exemplarisch, was Ehrenamt leisten kann: Raum zum Wachsen, echte Gemeinschaft und gelebten Naturschutz. Menschen kommen zusammen, um Tierleid zu verhindern – konkret, lokal und miteinander. Für ein Reusrath, in dem Menschen und Tiere ihren Platz haben.

Ich hoffe, dass diese Geschichte Mut macht, sich zu engagieren. Nicht perfekt vorbereitet, nicht mit einem großen Plan – sondern einfach, indem man anfängt. Wenn sie dazu inspiriert, Teil eines Ehrenamts zu werden – am liebsten natürlich unserer Rehkitzrettung – dann hat sie ihren Zweck erfüllt.

Und ich hoffe, dass es in meiner vierten Saison endlich klappt, dass ich auch selbst ein Kitz bergen und retten kann. Ich bleibe zuversichtlich. 

Susanne

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